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Text über die Familie Stumm von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987

Niemand könne eine wahre Orgel bauen, der nicht mit einer bestimmten Gnade Gottes gesegnet sei. Ein Stück von der Seele eines Musikers müsse in die Pfeifen eingeschlossen werden, ehe sie recht zu sprechen und zu singen anheben könnten. Und wenn solche Liebe die Orgel nicht erbaut habe, so werde sie niemals wirklich leben. Mit diesen Gedanken hat sich Johann Sebastian Bach einmal zu dem Geheimnisvollen geäußert, von dem das alte Handwerk der Orgelbaukunst seit alters umgeben ist. So ist es gewiss auch keine Floskel, wenn die großen Instrumentenbauer der Vergangenheit als begnadete Künstler angesehen und verehrt wurden. Dies trifft in außerordentlichem Maße auf Johann Michael Stumm zu, der am 10. April 1683 als Sohn eines Dorfschmiedes im kleinen Bauernort Sulzbach bei Rhaunen zur Welt kam und zum Begründer einer bis fast zur letzten Jahrhundertwende fruchtbar wirkenden ›Dynastie‹ von Orgelbaumeistern werden sollte, deren Werk unterdessen auch über fachkundige Kreise hinaus bekannt geworden ist.

Johann Michaels um 14 Jahre älterer Bruder Johann Nikolaus Stumm befand sich bereits auf erfolgreichem Berufsweg: Nach Erlernen des Schmiedeberufes im väterlichen Betrieb hatte er eine Eisenhütte erwerben können und führte diese so gewinnreich, dass er bald noch weitere Werke hinzukaufen konnte und letztlich Ahnherr der im Saarland inzwischen schon legendären Industriellenfamilie Stumm wurde. Auch der jüngere Bruder stand anfänglich als Lehrling an Esse und Amboss in der Sulzbacher Werkstatt, ehe er sich zum Goldschmied weiterbildete. Als solcher begab er sich 1701 auf die Walz und vervollkommnete sein Können in der Schweiz sowie im Elsaß. Wie er dann dazu kam, sich als Orgelbauer zu versuchen, kann im einzelnen nicht mehr herausgefunden werden; höchstwahrscheinlich ist er in Straßburg dem berühmten Meister Andreas Silbermann begegnet und hat sich von diesem erste Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln lassen können.

Ins Heimatdorf zurückgekehrt (1704), machte Johann Michael Stumm sich jedoch nicht unverzüglich daran, Orgeln selber herzustellen, sondern ging zunächst seinem früheren Broterwerb als Goldschmied nach, wobei das gewiss recht schmale Einkommen durch landwirtschaftliche Arbeit ergänzt bzw. sichergestellt werden musste. Ob man es einen ›Zufall‹ nennen darf, dass er einige Zeit nach seiner Heirat (1706) bei einer Verlosung in Kirn eine kleine Hausorgel gewonnen hat? Davon heißt es: »Die neue Aequisition wurde in Rhaunen-Sulzbach abgeladen und aufgestellt, und niemand dachte daran, in diesem unscheinbaren Instrument einen Wink der Vorsehung zu ahnen, durch welche auf ein Jahrhundert hin und die Violine, das Violoncell, das Klavier... Bald wurde die kleine Hausorgel unbrauchbar, und, da Kunstsachverständige in der Nachbarschaft nicht zu finden waren, blieb nichts übrig, als dass der Besitzer sein Talent an ihrer Wiederherstellung selber erprobe. Er ging frisch ans Werk, zerlegte die Orgel, fand und verbesserte den Fehler und stellte sie wieder in guten Stand. Die Idee, nach dem Muster des vorliegenden ein neues Werk zu bauen, war während der Herstellung erwacht.«

Aus diesem Grund machte er sich wenig später noch einmal auf, begab sich nach Kirn und ging dort in die Lehre beim Orgelbauer Jakob Irrlacher. 1714 durfte er sich bereits als Meister bezeichnen und begann in Sulzbach seine eigene Werkstatt einzurichten. Freilich stellte sich der Erfolg nur allmählich ein, so dass Stumm immer noch auf Goldschmiede- und Bauernarbeit angewiesen war. 1715 wurde er in einer gemeinschaftlichen Urkunde als »ein sehr beröhmbter Goltschmitt« aufgeführt. Das erste ausschließlich in seiner Werkstatt gefertigte Orgelpositiv dürfte etwa im selben Jahr ausgeführt worden sein, ein vorzügliches Exemplar, »das über Erwarten gelungen war. Die (Herrnhuter) Brüdergemeine in Neuwied erkaufte es und stellte es in ihrem Betsaal auf«. Dieses Instrument ist leider nicht mehr erhalten, und auch von möglicherweise kurz darauf hergestellten Positiven ist nichts bekannt. Eine erste vertragliche Festlegung datiert aus dem Jahr 1717: Stumm erhielt den Auftrag für eine Orgel in der Kirchberg Simultankirche, die später nach Weiler (bei Monzingen/Nahe) kam. Zugleich mit solchen ersten Aufträgen erwarb er sich ein gutes Renommee als Reparateur älterer Orgeln.

Das nachweislich vierte Instrument aus seiner eigenen Werkstatt hat er für die Kirchengemeinde Rhaunen geliefert. In der Windlade dieser vorbildlichen restaurierten und im Januar 1979 wieder eingeweihten Orgel wurde ein Zettel mit folgender Mitteilung gefunden: »Johann michael Stumm. Von raunen sultzbach, diese orgel Neu gemacht. Im Jahr. 1723. Lobet den Herrn mit Seyten und mit pfeiffen Ps: 150.« Seither ist der Meister wohl unablässig mit neuen Aufträgen beschäftigt gewesen; sein Ruf verbreitete sich, und er schuf Instrumente für die Stiftskirche in Münstermaifeld (Eifel), für St. Agnes in Trier, das Koblenzer Franziskanerkloster, St. Castor in Karden (Mosel) und noch für viele weitere Gotteshäuser. Sein letztes eigenhändig gebautes Instrument, das 1981 nach geglückter Restaurierung wieder eingeweiht wurde, hat er seinem Heimatort Sulzbach geschenkt. In goldenen Lettern steht auf dem Gehäuse zu lesen: »Dies Orgel sollte Gott allein, zu einem Lob gewittmet sein: anno 1746. So braucht sie dann in der absicht, dazu sie hier ist auf gericht.«

Das Werkverzeichnis Johann Michael Stumms umfasst mehr als 30 Orgeln, die aus seiner Werkstatt hervorgegangen sind. Seine Begabung und seine handwerkliche Meisterschaft wirkten noch sechs Generationen in Kindern und Kindeskindern rund 140 Jahre lang weiter fort. Als der Meister am 22. April 1747 starb, war also nicht nur ein kostbares Lebenswerk vollendet, sondern zugleich auch der Grund für eine bis 1896 währende Produktion von Kircheninstrumenten gelegt worden, die weit über den Hunsrückraum hinaus vielerorts im rheinischen Land erklangen und zu einem großen Teil bis heute noch in Gebrauch sind. Viele davon, wie z.B. die 1745 aufgestellte Orgel der Paulskirche in Kirchheimbolanden, von der selbst Mozart begeistert war, gelten als musik- und kunsthistorische Glanzstücke. Insgesamt sind aus dem kleinen Hunsrückdorf rund 370 Orgeln für Kirchen im Raum zwischen Köln und Karlsruhe, Saarbrücken und Amorbach (Odenwald hervorgegangen. Der 1976 gegründet ›Stumm-Orgelverein‹ (Sitz: Rhaunen-Sulzbach) hat sich die Pflege der Stummschen Tradition als Verpflichtung auferlegt und betreibt diese mit vorbildlicher Aktivität durch Konzerte, Exkursionen, Öffentlichkeitsarbeit und orgelkundliche Untersuchungen.


Text über die Familie Stumm von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987

Stumm-Orgeln findet man in folgenden Orten des Hunsrückraumes:
 
  • Allenbach (1832)
  • Alterkülz (1779)
  • Altweidelbach (1796)
  • Argenthal (Ende 18. Jh.)
  • Bad Kreuznach (1851)
  • Bescherbach (1788)
  • Bernkastel-Kues (um 1830)
  • Bergen (1862/63)
  • Beulich (1853)
  • Bickenbach (1862)
  • Biebern (1778)
  • Briedel (1783)
  • Bruchweiler (um 1740)
  • Bruttig (1821/36)
  • Bubach (1750)
  • Büchenbeuren (1771/72)
  • Eldern (1828)
  • Enkirch (1757/61)
  • Glan-Münchweiler (1865)
  • Guldental-Heddesheim (E. 18. Jh.)
  • Hennweiler (1791)
  • Herrensulzbach (1820)
  • Herrstein (1772)
  • Hilscheid (Ende 18. Jh.)
  • Holzbach (Ende 18. Jh.)
  • Horn (1826)
  • Hottenbach (1782)
  • Hüffelsheim (1803)
  • Idar-Oberstein (1756)
  • Irmenach (1773/76)
  • Jeckenbach (1852)
  • Kirchberg (1717)
  • Kirn (1774)
  • Kleinich (1809)
  • Laubach (1858)
  • Lettweiler (1859/60)
  • Löllbach (1859)
  • Lötzbeuren (1752)
  • Meckenbach (1752)

 
  • Meisenheim (1764/67)
  • Mörsdorf (1837/38)
  • Morbach-Bischofsdhron (1828)
  • Mülheim/Mosel (1890)
  • Neubamberg (2 Orgeln, 1760 und 1765)
  • Niederalben (um 1800)
  • Niederhosenbach (letzte Stumm-Orgel 1896)
  • Niederwörresbach (1850)
  • Norheim (1895)
  • Oberheimbach (1866)
  • Oberkostenz (1891)
  • Offenbach/Glan (Ende 18. Jh.)
  • Ohlweiler (1845)
  • Pommern/Mosel (1845)
  • Pünderich (1813/15)
  • Ravengiersburg (18. Jh.)
  • Raversbeuren (Ende 18. Jh.)
  • Rhaunen (1723)
  • Riegenroth (1787/88)
  • Roth (Ende 18. Jh.)
  • Rümmelsheim (1764)
  • St. Goar (1818)
  • Schauren (1780)
  • Schmidthachenbach (1852)
  • Simmern (2 Orgeln, 1753 und 1757)
  • Sobernheim (1740)
  • Spabrücken (1735)
  • Sprendlingen (1745)
  • Stipshausen (1858)
  • Thalfang (1876)
  • Trarbach (1748/50)
  • Treis (1836)
  • Veldenz (1888)
  • Weiler bei Monzingen (um 1740)
  • Weiler bei Bingen (Ende 18. Jh.)
  • Windesheim (1792)
  • Winterburg (um 1790)
  • Zell (um 1790)

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