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Text über Dill von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987


Blickt man vom Talhang auf den zwischen einer weiten Schlinge des zur Simmer fließenden Sohrbaches (auch: Diller Bach) über den Häusern aufragenden Burghügel, dann lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit mit der Gelände- und Siedlungsform von Ravengiersburg nicht verkennen. Aber diese vom natürlichen Relief vorgegebene Anordnung der Bauten findet sich im Hunsrück des öfteren, selten allerdings von derart geschlossener Wirkung wie hier in Dill.

Mächtig lastet als grauer Klotz aus Schiefersteinen die Burgruine auf dem Berg. Der 1107 als Eigentum des Adalbertus de Dille erstmals erwähnte Sitz, später unter den Sponheimer Grafen als Stammburg bedeutend, von Kurfürst Balduin ein erstes Mal und dann 1697 durch die Franzosen endgültig zerstört, gibt noch immer manches Rätsel auf, obwohl seine Besitzer im 19./20. Jahrhundert, Jakob Röhrig (seit 1853) und Giselher Castendyck (seit 1960), bei umfangreicher Grabungstätigkeit eine Fülle interessanter Funde machen konnten. Vielleicht ist es nicht einmal abwegig, das an Bauresten der Oberburg noch erhaltene Mauerwerk im Fischgrätmuster ähnlich zu deuten, wie es z.B. für die Ehrenburg bei Brodenbach und mehrere Architekturen in Trier hervorgehoben wird: Demnach könnten römerzeitliche Christen als Bauhandwerker hier tätig gewesen sein und das religiöse Fischsymbol als Glaubenszeichen eingefügt haben. An derselben Stelle ausgegrabene Münzen erhärten diese Wahrscheinlichkeit. Es wäre sowieso kaum denkbar, dass die römischen Landesherren diesen keinen Kilometer von der Wachstation am antiken Straßenzug so günstig gelegenen Hügel nicht zumindest als kleinen Stützpunkt genutzt hätten.

Im Bereich der Niederburg erhebt sich die 1701 auf den Fundamenten der einstigen Schlosskapelle erbaute evangelische Kirche. Der kleine Barockbau birgt kostbare Gemälde des Kirner Künstlers Johann Georg Engisch an der Emporenbrüstung und das große Motiv der ›Verklärung Christi‹ an der Decke. Letzteres weist in einer Ecke die Signatur »J.G. Engisch fecit 1714.«

Was Dill selbst für den flüchtigen Besucher aber als ungewöhnlich interessant erscheinen lässt, sind seine teils vortrefflich erhaltenen oder restaurierten Fachwerkhäuser, darunter auch etliche mit schön geschnitzten Eingangstüren. Und die ansonsten im Hunsrück nur noch gelegentlich anzutreffende Sonderform der sogenannten Tempelwand kann hier gleich an mehreren Bauwerken beobachtet werden: Dabei handelt es sich um etwa einen Meter hohe Fachwerkaufsätze, die zwischen Obergeschoss und Dachtraufe eingefügt wurden. Sinn dieser noch zu Anfang dieses Jahrhunderts ausgeführten Baumaßnahmen war die Vergrößerung des Schüttbodens im Dachspeicher. Denn dort wurde das Brotgetreide eingelagert, und zu seiner besseren Durchlüftung setzte man in die Tempelwand kleine (oft ovale) Fensteröffnungen ein, die diesen Häusern in der Außenansicht einen hübschen Gliederungsakzent verleihen.

 

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