Simmern Info
Text von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987






»Stadluft macht frei« - für die Hunsrück-›Metropole‹ und ihre Einwohner galt diese bedeutsame Redensart sehr konkret, seit am 10. Juli 1330 Kaiser Ludwig der Bayer Raugrafen Georg II. die Freiung seiner Stadt Simmern bestätigt hatte. Historische Abbildungen an den Werken von Sebastian Münster (›Cosmographie‹), Matthäus Merian und Daniel Meisner geben übereinstimmend ein ausgesprochen harmonisch wirkendes Ensemble von Wohn- und Wehrbauten wieder, in welchem die das Schiff der ehrwürdigen Stefanskirche bereits nicht anders zur Geltung kommt, als man es noch heute zwischen den Hausdächern aufragen sieht. Alles übrige hat sich aber von Grund auf verändert, nachdem im Vollzug der vom französischen König Ludwig XIV. mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg brutal realisierten Politik der verbrannten Erde auch Simmern in Asche gelegt worden war. So erinnern heute nur noch der Schinderhannesturm und Mauerreste unter dem Römerberg an die alten Festungsanlagen, und auch in den Sammlungen des Hunsrücker Heimatmuseums, untergebracht im Neuen Schloss, finden sich nur wenige (wenngleich höchst wertvolle) Exponate, die darauf schließen lassen, wie prachtvoll Simmern einmal gewesen ist.

Ein rundes Dutzend jungsteinzeitlicher Beile, die verstreut zwischen Rheinböllen, Horn und Hirschfeld aufgelesen wurden, macht glaubhaft, dass nicht nur schweifende Jäger der Urgeschichte in die höheren Regionen des Hunsrücks vorgestoßen, sondern möglicherweise auch erste Ansätze zum Sesshaftwerden und zur landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens vorhanden war.

Zur Bronzezeit und dann schließlich mit der Hunsrück-Eifel-Kultur zeichnete sich in der Simmerner Umgebung bereits eine Zunahme der Bevölkerung ab, was vor allem durch mehrere Grabfunde nachgewiesen werden kann. Bronzeschmuck (Wendelringe) aus Gräbern von Niederkumbd und Oppertshausen wird von Heimatforschern als Beleg dafür in Anspruch genommen, dass sich schon frühzeitig unter den am oberen Simmerbach ansässigen Leuten eine gewisse Führungs- bzw. Adelsschicht heranbildete. Einer der interessantesten Funde wurde genau an der Stelle geborgen, wo sich heute die Bunker der Marschflugkörperbasis Hasselbach erheben: Dort lag unter mächtigem Grabhügel ein altkeltischer Häuptling bestattet, ausgestreckt im Kasten eines vierrädrigen Wagens. Seine Lanze und eine bronzene Situla hatte man ihm mitgegeben und über dieser Ruhestätte ein zeltähnliches Holzhaus errichtet.

Auch für die Römerzeit sind es Grabanlagen gewesen, die dem Simmerner Museum reichhaltiges Fundgut geliefert haben. Glasgefäße aus einem Frauengrab bei Budenbach, eine Kugelflasche mit den durch chemische Analyse nachgewiesenen Resten von Hautbalsam aus einer Kisselbacher Bestattung sowie ein voluminöse Glasurne mit Leichenbrand aus einem Adelsgrab von Kumbdchen können in den Vitrinen der Sammlung besichtigt werden. Im eigentlichen Stadtgebiet kam ein römerzeitlicher Grabfund mit erlesenen Keramikgefäßen zutage, darunter eine kunstvolle Terra-sigillata-Schüssel mit Reliefbildern bellender Hunde und springender Hasen. Laut Töpferstempel wurde dieses feine Geschirr in einer Manufaktur der antiken Provence hergestellt. Funde von Mauerwerk und Amphoren, einer Reibschale und sonstigen Haushaltkeramiken konnten bei Verlegung der städtischen Wasserleitung in der Rottmannstraße geborgen werden, was als zuverlässiger Hinweis auf eine frühgeschichtliche Siedlung gewertet wird. Mehr noch: Am selben Ort kamen Münzen der Kaiser Maximianus und Magnentius zum Vorschein; durch diese und anhand noch weiterer Fundplätze im Stadtinneren lässt sich eine römerzeitliche Besiedlung Simmerns spätestens für die Zeit um 350. n. Chr. nachweisen.




 
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