Waldland im westlichen Hunsrück
Text über den westlichen Hunsrück von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987



Ruwertal und Saarburger Land



Von Trier zu den Hunsrückhöhen gelangt man rasch (in Richtung auf Hermeskeil oder Thalfang) mit der bei Schweich und Longuich aus dem Moseltal hinaufführenden Autobahn oder über die B 52 von Ehrang und Kenn, vorüber an Thomm mit dem weißen ›Hinkelstein‹. Einen zwar langsameren, jedoch sehr empfehlenswerten Verlauf nimmt die östlich Trier ab Ruwer den gleichnamigen Bach begleitende Talstraße. Die Nähe der historischen ›Moselmetropole‹ ist hier überall schon anhand der Ortsnamen spürbar: Mertesdorf (einst: Martini villa) und Kasel (einst: Casella = kleines Landhaus), um nur zwei Beispiele zu nennen, deuten beredt in die antike Vergangenheit zurück, indes die hier ringsum angesiedelten alten Klosterhöfe und -weingüter den großen Epochen des auch weltlich machtvollen Erzbistum Trier entstammen. Damals wie heute geschätzte Weinlagen wie der ›Karthäuser Hofberger‹ oder der Grünhäuser Maximer Herrenberg‹ spiegeln nicht minder das Erbgut des geistlichen Kurstaates wider. So zeigt sich auch der 1569 als ›Thebestburg‹ genannte Duisburgerhof (südlich von Ruwer, an der Straße nach Eitelsbach) inmitten seiner Rebhänge mit malerischen Baugruppen aus alter Zeit: Ein Wohnturm (14. Jh.) mit seinem hofseitig vermauerten Rundbogenportal und dem angebauten Treppenturm (1588) als den ältesten Teilen wird von späteren (16.-19. Jh.) eng eingerahmt. Bemerkenswert sind das Renaissancewappen der Domherren von Schönberg (Schonenberg), die spitzbogigen Fensterwände und manche hübschen Steinmetzarbeiten (16. Jh.). Noch heute gehört der Duisburgerhof dem Bischöflichen Konvikt als Weinbaubetrieb und landwirtschaftlich genutztes Hofgut.

Der Karthäuserhof liegt in einem Seitental der Ruwer bei Eitelsbach. Er wurde im 14. Jahrhundert dem Trierer Karthäuserkloster von dessen Gründer, Erzbischof Balduin, als Schenkung übertragen. In den während des 18. und 19. Jahrhunderts mehrmals umgebauten Gutsgebäuden (heute Privatbesitz) verbirgt sich noch das spätgotische einstige Burghaus. Gegenüber Mertesdorf gewahr man am westlichen Talhang der Ruwer das Schloss Grünhaus, ehemals der Abtei St. Maximin in Trier zu eigen (die Anlage wurde bereits 966 als deren Besitz bestätigt), dessen spätgotischen Wohngebäude 1638 baulich Veränderungen erfuhr. Im Park sind noch Überreste der antiken Riveriswasserleitung nach Trier vorhanden.

Auch im nahe gelegenen Kasel besaßen drei Trierer Klöster einträgliche Gutshöfe: Das heutige Gasthaus ›Kaseler Hof‹ (18. Jh.) wurde als Eigentum von St. Paulin schon 1373 bezeichnet; gleich gegenüber steht das ehemals St. Marien zugehörige Gut (›Marienkloster‹, heute Privathaus), während ein für 973 als Besitz von St. Irminen bezeugter Hof nunmehr den Reichsgrafen von Kesselstatt gehört. Die katholische Kirche St. Nikolaus (1926/27) bezieht eine 1781 erbaute Kapelle als Vorhalle und Orgelempore mit ein. Der hölzerne Tabernakelaltar (18. Jh.) zeigt neben einfachem Dekor des Rokoko die Figuren des Schutzheiligen sowie der Apostel Simon und Thaddäus.

Im benachbarten Waldrach bewahrt die 1905 neugotisch erbaute Pfarrkirche St. Laurentius noch eine Ausstattung mit wertvollen Bildwerken aus früherer Zeit, darunter eine Figurengruppe (um 1575) von einem Grabmal für den Trierer Dechanten Friedrich von Enschringen, die 1803 abgenommen und zum jetzigen ›Heiligkreuzaltar‹ (rechter Seitenaltar) zusammengesetzt worden ist. An einem Parkplatz neben der Ruwertalstraße bei Waldrach wurde unter einem hölzernen Schutzbau das Teilstück der römischen Wasserleitung nach Trier konserviert, die seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. 200 Meter oberhalb der Riveriseinmündung das Ruwerwasser aufnahm. Aus denselben Quellgebieten am Fuß des Hunsrücker Hochwaldes, vor allem aus der Riveris-Talsperre, bezieht Trier noch heute sein Trinkwasser. Von der Bedeutung des Ruwertales zur Römerzeit berichten mehrere Funde mit Reliefs aus Mertesdorf und Grünhausen (heute im Landesmuseum) sowie auch eine Textstelle bei Ausonius: »Die Ruwer dreht in schwindelnden Wirbeln die kornzermahlenden Steine und zieht die kreischenden Sägen durch glatte Marmorblöcke« (aus dem ›Mosella‹ - Gedicht),





 
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