
| Von Meisenheim nach Sobernheim |
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Text von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987 Das Hügelland um den Glan mit seinen anmutig in Waldungen und Feldmarken eingenisteten Ortschaften, so wie man es von Kusel am Remigiusberg bis Lauterecken und Medard erleben konnte, ändert sich im Vordergrund bei Meisenheim nur wenig. Aber wenn man die Hangkanten über dem Tal hinter sich lässt, dann erblickt man nach Süden und Südosten hin die vergleichsweise baumarmen Flächen, die sich wie Ausläufer der rheinhessischen Ebene ins Nordpfälzische vorzuschieben scheinen. Von Fern dominiert der markante Umriss des Donnersberges (687 m) diesen Landschaftsraum. Nördlich des Glan überwiegt im Dreieck zwischen Lauterecken, Kirn und dem Disibodenberg zunächst noch ein sehr lebhaftes Geländemosaik im kleinräumigen Wechselspiel zwischen Äckern, Weiden und Waldstücken, das aber auf die untere Nahe zu gleichfalls in offene Fluren und sanft gewölbten Buckeln übergeht, an welchen sich mehr und mehr Rebhänge ausbreiten. Auch unmittelbar bei Meisenheim finden sich bereits (bzw. noch) einige Weinberge; weit größer ist aber der Anteil an zu Brachland gewordenen Wingerten. Buschwerk, Gräser und Trockenrasen überdecken hier die oft schon sehr brüchigen Stützmauern im Hang und tragen wesentlich zur Formung eines merkwürdig anmutenden Bildes bei: gewissermaßen einer der Pflege entwachsenen ›Landschaft nach dem Menschen‹, einer Kulturbrache, die soeben von urwüchsiger Natur wieder ein- und zurückgeholt wird. An solchen Zeichen werden geschichtliche Abläufe augenblicklich besser sichtbar, als jede theoretische Erörterung über landwirtschaftlichen Strukturwandel sie vortragen könnte. Reizvolle wirken derartige Ansichten aber auf jeden Fall, und sie werden hübsch ergänzt und untermalt durch die fast jedes Dorf umringenden Haus- und Bauerngärten, aus denen statt der Hunsrücker Schieferlayen hier überall das satte Rot der Ziegeldächer über ockerfarbenem Mauerwerk hervorleuchtet. Auch Meisenheim zeigt sich, kommt man von Medard her, mit solchen Gärten umkränzt. Aus dieser Szenerie ragt der bizarr durchlichtete Steinhelm der Schlosskirche hervor, nördlichster Vertreter der vom Freiburger Münster bekannten Spielart überfeinerter Baukunst des 15. Jahrhunderts. Diese Schlosskirche ist der bedeutendste spätgotische Bau des gesamten Nahe-Hunsrück-Raumes. In dem 1154 als Besitzung des Mainzer Erzstiftes erstmals erwähnten und späterhin den Grafen von Veldenz zu Lehen übertragenen Ort (Stadtrecht seit 1315) erfolgte 1321 eine bemerkenswerte historische ›Weichenstellung‹, als Georg I. und Agnes von Veldenz die Pfarrkirche samt Diensten und Enkünften den Johannitern von Herren-Sulzbach übertrugen: Danach verlegten die Leute vom ›Orden Sente Johannis des heiligen Spitalis von Jerusalem über mer‹ ihre Komturei nach Meisenheim und richteten sich gleich unterhalb der Kirche dort ein, wo bis heute das ansehnliche Gelbe Haus (um 1490 errichtet) und das benachbarte Gotische Haus Untergasse 2 (14./15. Jh.) sich als baulich höchst stimmungsvolles Ensemble zeigen. Ähnliches gilt im alten Meisenheim aber für eine Vielzahl an Winkeln im Gehege des wie eine Leiter mit Gäßchen als ›Sprossen‹ zwischen den ›Holmen‹ der Ober- und der Untergasse angeordneten Stadtplanes. Dass diese Städtchen als ›Perle am Glan‹ sein Erbe an Bauwerken aller Art seit der gotischen Epoche unversehrt bewahren konnte, verdankt es der Pfalzgräfin Charlotte Friederike, die den Franzosengeneral Bouffleur bewegte, als 1689 in der Pfalz und auf dem Hunsrück alle Stadtwehren und Burgsitze von den Franzosen eingeäschert wurden, seine sengende Hand nicht an die Glan-Idylle zu legen. |
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