
| Vom Sohrbach zu den Moselterrassen |
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Seite 3 von 3 Text über Dill und Umgebung von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987 Schiefer auf den Dächern und an den Wetterseiten der Häuser im Dorf, und daraus hervor lugt der kleine Kirchturm (13. Jh.) - dies ist der erste Eindruck von Raversbeuren. Drüben bei den ›Wackensteinen‹ am Leishügel kann man das ausgedehnte Areal eines einst riesigen Landgutes aus der Römerzeit abschreiten. Ob die jetzige Ortsgemeinde ihren noch hin und wieder gebrauchten Beinamen ›lateinisches Dorf‹ davon erhielt, ist zweifelhaft. Einer pfarramtlichen Notiz aus älterer Zeit zufolge soll sich unter den Bauern hier durch alle geschichtlichen Jahrhunderte erstaunlicherweise die Kenntnis von Grundzügen der lateinischen Sprache erhalten haben. Konkreter wirken demgegenüber die überlieferten Daten, so z.B. eine Urkunde aus dem Jahr 908 mit dem Hinweis, dass ein Königshof hier mit rund 120 Morgen Landbesitz durch Ludwig das Kind offenbar dem Trierer Erzbistum geschenkt worden ist. 1324 findet sich der Ort als ›Ravengisburen‹ in einer anderen Urkunde aufgeführt; diese Namensform weist als ›Brunnen des Ravengar‹ vielleicht auf eine Zugehörigkeit zum alten Ravengiersburg hin. Wahrscheinlich war die Bezeichnung sogar von dem noch erhaltenen Ziehbrunnen am nördlichen Ortsende abgeleitet worden. Am spätgotischen Kirchenportal wie auch an der mit Bildern des Petrus und der vier Evangelisten bemalten Kanzel findet sich die Jahreszahl 1707 als eindeutiger Beleg für Erbauungszeit und Ausgestaltung des an den romanischen Westturm gefügten Langhauses. Auch die Brüstungsfelder an der hölzernen Männer-Empore des Raversbeurener Hotteshauses zeigen qualitätsvolle Gemälde nach biblischen Szenen; 11 von diesen 18 Motiven sind dem Alten Testament entnommen. Als Schöpfer dieser Kunstwerke in barocker Manier kommt trotz fehlender Signatur mit größter Wahrscheinlichkeit Johann Georg Engisch in Frage. Raversbeurens bekanntester Bürger war Albert Bauer (1890-1960), der zeitlebens auch Bauer von Beruf und darüber hinaus einer der wichtigsten Hunsrückdichter gewesen ist. Für sein in den zwanziger und dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts auch überregional bekanntes literarisches Werk erhielt er 1936 in Düsseldorf den Immermann-Preis. Die Romane ›Folkert der Schöffe‹ (1934) und ›Hagen von Troneck ‹ (1943) sowie die gemeinsam mit Elly Kramb (1896-1964) geschriebene ›Raversbeurener Passion‹ (1952) und weitere dramatische Arbeiten erfuhren nach teils beeindruckenden Erstauflagen späterhin keine größere Verbreitung mehr. Bauers Gedichte findet man nur noch gelegentlich im heimatkundlichen Schrifttum. Auch im Gotteshaus (1717/81) von Lötzbeuren hat der Maler Johann Georg Engisch mit mehr als zwanzig biblischen Bildern ein kunstvolles Œuvre hinterlassen, dessen Ensemble eine rundum barocke Ausstattung prägt, die zu den schönsten weit und breit gerechnet wird. Eine Stumm-Orgel von 1752 komplettiert dieses kostbare Interieur. Bis Irmenach sind es jetzt nur noch wenige Kilometer. In dessen Kirche (Turm 17.Jh., Langhaus 1870-72) kann ebenfalls ein Orgelprospekt (1776) aus der Stummschen Werkstatt bewundert werden. Der Dichter Jakop Kneip (1881-1958) hat längere Zeit in Irmenach gelebt. Er war schon 1904 mit einem ersten Gedichtband hervorgetreten, gründete dann 1912 mit Josef Winkler und Wilhelm Vershofen gemeinsam den ›Bund der Werkleute auf Haus Nyland‹ und war - nach Berufsverbot während der nationalsozialistischen Periode - Präsident des ›Rheinischen Kulturinstituts‹ von 1946 bis 1953. In Kneips Romanen und sonstigen Schriften spielen Land und Leute des Hunsrücks häufig eine bedeutsame Rolle. Am bekanntesten war ›Hampit der Jäger‹ (1927), und der folgende melancholische Heimatvers wird bis heute in der Region sehr häufig zitiert:
Ob es wohl an einem schwer auszulotenden ›genius loci‹ liegen mag, dass in dieser Gegend, auf diesem Hunsrücker ›Balkon‹ über der Mosel ein regelrechtes ›Dreigestirn‹ schöpferischer Menschen zur gleichen Zeit am Anfang dieses Jahrhunderts zu Werke gegangen ist? Kann Albert Bauer als Bauerndichter von echtestem Schrot und Korn bezeichnet werden, betrachtet man Jakob Kneip als Mentor der rheinischen Arbeiterdichtung, so wird Friedrich Karl Ströher (1876-1925) aus Irmenach als Maler und Graphiker in vergleichbarer Weise den Künstlern zuzurechnen sein, die von der kraftvollen Tradition ihrer Heimat erste Impulse empfingen, sich darauf an weltläufigeren Inhalt schulen konnten und letztlich in ihrem reifen Schaffen doch wieder zum Einklang mit dem Hunrücker Kulturerbe gediehen sind. Vom Dorf Irmenach aus kann man entweder über Starkenburg, wo einst die sponheimsche Grenzfeste über dem Flußtal wachte, zur Mosel hinab- oder in umgekehrter Richtung wieder zur Hunsrück -›Magistrale‹ B 327 hinauffahren. Eine andere Möglichkeit ergibt sich aber auch zu kleinen Streifzügen hinüber nach Longkamp durch eine Anzahl sehr hübscher kleiner Dörfer und dann über die B 50 hinunter nach Bernkastel-Kues. Andererseits zweigt in Longkamp aber auch eine weitere Straße ab, die ins wildromantische Tal durch Kautenbach und Bad Wildstein nach Traben-Trarbach führt. Wer hingegen auf den Hunrückhöhen bleiben möchte, kann von Irmenach über Beuren den kurzen Abstecher nach Kleinich unternehmen, dessen klassizistische Kirche (1789/90) sowohl im Stil als auch durch ihre im behaglichen Ortsbild besonders auffallenden Ausmaße überrascht. Ihr Turm birgt noch die erheblich älteren Relikte eines Bauwerks aus frühromanischer Zeit. |
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Ergänzungen und Korrekturen Ortsliste Reiseführer für Mosel, Eifel und Rhein |