
| An Dhron und Dhrönchen |
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Seite 3 von 3 Text über die Dhron und Umgebung von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987
Von der Kirche in westlicher Richtung (nach rechts in Richtung Heidenburg) senkt sich die Dorfstraße steil hinab (13,8% Gefälle!); drunten im Ort sind noch ein paar alte Bauernhöfe in der landestypischen Bauweise zu erblicken. Einige Bürger haben in ihren Vorgärten große Quarzitbrocken wie alte Menhire aufgerichtet, ganz so, als wollten sie den prähistorischen Brauch wieder aufleben lassen. Denn bald erreicht man nun die Straße Thalfang-Heidelburg, neben der von Talling, wenig rechts an der Abzweigung nach Schönberg, sich ein mächtiger ›Hinkelstein‹ erhebt. Unter etlichen Menhiren der nahen Umgebung ist er sicher der eindrucksvollste.
Von Berglicht, Talling und Schönberg führen mehrere Straßen zu den Tälern von Dhron und Dhrönchen hinab, während diejenige nach Heidenburg über den Höhenrücken moselwärts verläuft. Diesen Abstecher sollte man nicht versäumen, denn es wird sich wiederum Merkwürdiges zeigen: Ein wenig abseits der 1867 im neugotischen Stil erbauten Pfarrkirche St. Michael ist nämlich als Rest aus älterer Zeit ein Chorraum der Spätgotik (um 1500) auf dem Friedhof stehengeblieben, eine Architektur, die ganz auffällig derjenigen von Berglicht ähnelt. Über dem Spitzbogenportal unter dem einstigen Triumphbogen erblickt man ein kleines Relief mit dem Motiv der Ölbergszene, und das Innere bewahrt noch eine Sakramentsnische, bekrönt von einem in steinernes Astwerk gerahmten Kruzifix zwischen den trauernden Figuren der Maria und der Johannes. Zurück wieder nach Schönberg (vorbei am ›Hinkelstein‹): In dessen Pfarrkirche St. Vitus (hl. Veit), deren Langhaus hinter romanischem Westturm 1821/22 erbaut worden ist, findet sich gleichfalls ein vom Vorgängerkirchlein übernommener Sakramentsschrein der späten Gotik mit plastischer Zier. Eine mit Krummstab versehene Figur und ein Gottesmann mit Heiligenschein werden als Matthias und Valentinus (?) gedeutet, wöhrend Petrus darunter durch einen riesengroßen Schlüssel zweifelsfrei zu bestimmen ist. Diesen drei sehr schön gestalteten Kleinplastiken ist als vierte eine winzige Pietà beigegeben; ein qualitätsvolles Werk, das im ansonsten eher unscheinbaren Schönberg anzuschauen sich lohnt. Noch vieles mehr lässt sich entdecken in dieser verschwiegenen Gegend. Drunten bei Büdlicherbrück gibt es den Rockenburger Urwald als grandioses Naturreservat, das man auf stillen Wanderwegen erkunden sollte, und droben präsentieren sich die Quarzitriffe der Berger und der Prosterather Wacken als erdgeschichtliche Raritäten so urwüchsig wie gleicherweise pittoresk. Schön liegt auch Naurath am westlichen Hang über der Kleinen Dhron. Nahebei führt die Autobahn nach Trier, und von der streckenweise parallel zu ihr verlaufenden Straße Hermeskeil-Mehring weiten sich prachtvolle Ausblicke ins hübsche Moseltal. Abstecher nach Trier mit seinen römerzeitlichen Monumenten und den im Rheinischen Landesmuseum gesammelten Funden der Hunsrücker Ausgrabungsstätten benötigen ab hier keinen großen Zeitaufwand. In kaum 20 Minuten erreicht man die uralte Moselmetropole. Oder man fährt nur bis Fell über eine Route, die von den Hangwäldern hinab in die Weinberge verläuft und dann gleich wieder hinauf, vorüber an Schieferklüften, zur Hochfläche bei Thomm, wo unmittelbar neben einem großen Parkplatz an der Bundesstraße (B 52) fast schneeweiß ein weiterer Menhir die Ackerfläche überragt. Und dann geht es weiter in Richtung Hermeskeil: Die Schnellstraße überquert ein schon zur Römerzeit bedeutendes Siedlungsgebiet (heute: Straßenraststätte) und erreicht dort, wo vor ausgedehnten Forsten ein riesiges Grabhügelfeld kaum noch oberirdisch erkennbar blieb, das alte Forsthaus Sternfeld. Hier steht jetzt am Abzweig zum schön gelegenen Restaurant Misselbach neben einer anschaulichen Orientierungstafel und bei einem Abenteuerspielplatz die ›Starfield-Discothek‹. Bevor man aber dermaßen rasch von Fell über Thomm auf Hermeskeil zufährt, wäre vielleicht ein aberlaiger Rückblick auf die moselwärts geneigten Hunsrückausläufer noch angebracht. Denn dort unten hat sich ja nicht nur in Trier bemerkenswerte antike und mittelalterliche Geschichte abgespielt, hat nicht nur Neumagen als wahres ›Pergamon Deutschlands‹ eine unvergleichliche Bildhauergalerie der Römerzeit bewahren können, haben Balduin von Trier und Franz von Sickingen ihre kriegerischen Fährten gezogen - dort unten fand außer alledem am Moselfuß des Hunsrücks eine historische Auseinandersetzung statt, die für das Abendland von höchster Bedeutung gewesen ist. Die Rede ist von dem kleinen Ort Riol, wo zwischen den Tälern von Dhron und Ruwer im Jahr 70 n. Chr. die letzt Hoffnung der keltischen Treverer auf politische Unabhängigkeit buchstäblich zerschlagen wurde. Es war jene Schlacht, durch welche der Batavveraufstand, dem sich die Treverer angeschlossen hatten und der für Roms Vorherrschaft in Mitteleuropa einen sehr gefährlichen Verlauf genommen hatte, niedergeschlagen wurde. Nachdem Feldherr Petilius Cerialis den Aufrührern bei Bingen eine erste Schlappe zugefügt hatte, flohen sie quer über den Hunsrück und verschanzten sich bei Riol (Rigodulum). Tacitus berichtete: » In vier Tagesmärschen gelangte er (Cerialis) bis Rigodulum. Diesen von Bergen und der Mosel eingeschlossenen Platz hatte Valentinus mit einer starken Mannschaft der Treverer besetzt und auch noch mit Gräben und Barrikaden aus Stein verstärkt. Dennoch schreckten diese Befestigungswerke den römischen Feldherren nicht ab, das Fußvolk durchbrechen und die Reiter einen Hügel hinaufziehen zu lassen, einen Feind verachtend, welcher planlos zusammengerafft, nicht eine so bedeutende Stütze an der Örtlichkeit hätte, dass die Seinigen nicht noch eine größere in ihrer Tapferkeit besässen. Eine kleinen Aufenthalt verursachten das Hinansteigen, solange man die Geschosse der Feinde zu passieren hatte. Als man erst handgemein mit ihnen geworden, wurden die Feinde fortgedrängt und wie im Sturze hinabgeworfen. Ein Teil der Reiter, welcher auf den ebeneren Höhen herumgezogen, nahm die Vornehmsten der Belger, unter ihnen auch den Heerführer Valentinus, gefangen. Nach diesem großen Sieg lag den Römern der Zugang nach Trier offen, und am nächsten Tag rückte Cerialis in die Koloniestadt der Treverer ein.« Mit dieser entscheidenden Schlacht vor den Toren Triers zwischen den Mündungen von Ruwer und Dhron in die Mosel, war dem bedrohlichen Bataveraufstand gewissermaßen die Speerspitze abgeknickt und das Linksrheinische für Rom wieder zur Botmäßigkeit verpflichtet worden. |
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