Idyllen und eine kleine Residenz
Text von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987






Die westlich aus Idar-Oberstein nach Birkenfeld und in Richtung Saarbrücken verlaufende Bundesstraße 41 gibt bald hinter dem Stadtrand Ausblicke auf den tief in Fels- und Waldhänge eingeschnittenen Nahelauf frei. Über Seitensträßchen kann man ihm folgen: beispielsweise über Frauenberg (Strecke nach Baumholder) mit der malerisch im Seitentälchen gelegenen Frauenburg (um 1320 erbaut), die der Sponheimer Gräfin Loretta 1331-46 als Witwensitz diente. Unweit verbergen sich noch die Reste einer keltischen Fliehburg auf dem Nahekopf, indes die römerzeitlichen Bodendenkmäler der ›Heidenkirch‹ und die Latène-Grabhügel des ›Erbenwaldes‹ im Übungsplatzsperrgebiet unzugänglich liegen. Im nahen Reichenbach wurde die Pfarrkirche 1863/64 in einer interessanten Duchdringung neugotischer Formen mit neuromanischen Details dort errichtet, wo zuvor ein spätromanischer Chorturm mit interessanten, teils figürlichen Kapitellen abgerissen worden war.

Auch das betagte Kirchlein in Nohen, wo unterhalb der Nahebrücke schon zur Römerzeit eine Furt das Flüsschen durchquerte, teilt bereits in der Außenansicht etwas von seiner infolge Kriegseinwirkungen problematischen Baugeschichte mit: Dem romanischen Westturm folgt ein gedrungenes Schiff vor dem mit niedrigerer Firsthöhe abgesetzt quadratischen Chor; sehenswert sind die feinen Masswerkfenster der Spätgotik. In Nohen wie auch in allen Nachbarorten dieses von bäuerlicher Arbeit geprägten Landstriches über dem streckenweise abenteuerlichen  zerklüfteten Nahetal erblickt man viele alte Gehöfte, die häufig stilvolle Haustüren, Vordächer und Scheuneneinfahrten aufweisen.

Vom flussabwärts gelegenen Kronweiler gelangt man durch das anmutige Schwollbachtal nach Niederbrombach mit seiner kunstgeschichtlich sehr wertvollen Magdalenenkirche, einer ehemals romanischen Pfeilerbasilika zu drei Schiffen (12. Jh.), die sich nach etlichen Umbauphasen (13.-15 Jh.) nunmehr als vierschiffiges Meisterstück der Gotik präsentiert. Ihre Maßwerkfenster, prächtige Gewölbeschlusssteine und figürlich ausgearbeitete Konsolen unter den Wanddiensten lassen erkennen, dass hier gewiss an bedeutenden Bauhütten geschulte Steinmetzen zu Werke gegangen sind. Die ausser mit solchen Details auch durch spannungsvolle Raumperspektiven überraschende Architektur bewahrt des weiteren im Ostchor (5/8-Schluss) kunstvolle Fresken (14. Jh.) mit Darstellungen Christi, der Kirchenpatronin Maria Magdalena und weiterer Personen der biblischen Heilsgeschichte. Mehrere große Steinsarkophage vor der Kirche entstammen möglicherweise noch dem merowingischen Mittelalter.

Niederbrombach eignet sich im übrigen gut als Ausgangsort für eine Fahrt durch das Birkenfelder Land, auf welcher noch eine ansehnliche Zahl historischer Sakral- und Profanbauten entdeckt werden kann. Das Schwollbachtal aufwärts erreicht man über Hußweiler und Wilzenburg das hübsche Dorf Leisel mit einem ehemaligen Amtshaus (1767) aus badischer Herrschaftszeit, das aufgrund seiner Bauzier am Portal auch ›Löwenhaus‹ genannt wird. Mehrere stilreine Bauernhäuser und, wie vielerorts in der weiten Umgebung, ein gußeiserner Brunnentrog mit neugotischen Reliefs stehen an der Dorfstraße. Ähnlich vorteilhaft wirkt auch das idyllische Schwollen, das man auf dem Weg nach Hattgenstein durchfährt, dem mit 600 Meter ü. NN höchstgelegenen Dorf der einstigen Rheinprovinz. Dort steht mitten auf einer Straßenkreuzung das 1762 als Schulbau im Fachwerkstil errichtete ›Glockenhaus‹, das heute als gottesdienstlicher Raum genutzt wird.




 
 Werben im Reiseführer

Kostenlose
Internet-Anzeigen
in der Bettenbörse
 




Ergänzungen und Korrekturen  Ortsliste  Reiseführer für Mosel, Eifel und Rhein