
| Ausblick vom Berg des Versuchers |
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Text von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987 Der Fluchtweg des Schinderhannes führte südlich von Simmern an Dörfern wie Ohlweiler, Holzbach, Riesweiler und Tiefenbach vorbei. Trotz mancher Veränderung durch neuzeitliche Straßenbaumaßnahmen und Erweiterungen mit Neubaugebieten haben sie alle in ihrem Kern noch manches von der historischen Bausubstanz bewahrt, wenn auch viele landwirtschaftliche Anwesen aufgegeben, Scheunen zu Garagen und Wohnbauten umgestaltet oder die alten Fassaden mit modernen Materialien verkleidet wurden. Auch Belgweiler und Mengerschied gefallen noch immer mit schönen Fachwerkbauten, wobei im letztgenannten Ort das in dieser Bauweise errichtete Rathaus in der Ortsmitte besonders auffällt. Gleich nebenan, ebenfalls aus Fachwerk, steht eines der wenigen noch im Hunsrück erhaltenen Tanzhäuser, einstiger Tummelplatz für jung und alt bei dörflichen Festen. Zum selben Dorfmittelpunkt gehört hier selbstverständlich auch die Kirche, 1842/43 in so schlichter wie markanter Form des Klassizismus erbaut. Apropos Tummelplatz: Statt altmodischer Tanzhäuser bevorzugt die Hunsrücker Jugend natürlich die auch im ländlichen Raum eifrig frequentierten ›Diskoschuppen‹ topmodernen Zuschnitts. Die geselligen Treffpunkte früherer Zeiten sind gänzlich funktionslos geworden, haben ihre mitunter während vieler Jahrhunderte gewachsene Bedeutung so nachhaltig eingebüßt wie auch der traditionelle Nunkircher Markt zwischen Mengerschied und Simmern, droben auf der Höhe beim Dörfchen Sargenroth. Nur flüchtig erblickt man dort zwischen den breiten Kronen starkstämmiger Baumriesen einen nach seinerzeit ›vaterländischer Baukonfektion‹ geformten Bismarckturm und wenig weiter inmitten von Kastanien und Linden den Turmhelm der Nunkirche. Dieses Gotteshaus, bereits 1072 als Mutterkirche der benachbarten Ravengiersburg erwähnt, erhebt sich auf einer uralten Mark- und Gerichtsstätte; es war bis zur Reformation (1557) ein weitbekanntes Wallfahrtsziel. Der romanische Turm (12. Jh.) vor dem im 18. Jahrhundert erneuerten Langhaus bewahrt im Inneren Wand- und Gewölbefresken (13./14. Jh.), darunter eindrucksvolle Motive aus dem Marienleben und Christus in der Mandorla inmitten der symbolisch wiedergegebenen Evangelisten. Ein Jüngstes Gericht und Darstellung der Klugen und er Törichten Jungfrauen gehören ebenfalls zu dieser bedeutsamen Stätte alter Kunst. Vom Rochusfeld vor und neben der Nunkirche genießt man weite Rundblicke über die Simmerner Mulde (nach Norden) und zum Gipfelkamm des Soonwaldes auf der anderen Seite. Der noch jährlich im September gehaltene Nunkircher Markt reicht, obzwar ein lebendiges Volksfest, an die traditionellen Vieh- und Krammärkte von früher nicht mehr heran. Die zentrale Lage der Nunkirche im mittleren Hunsrück eignet sich heute wie einst als günstiger Ausgangspunkt für Entdeckungsfahrten auf der Hochfläche und durch die zur Nahe entwässernden Tallandschaften. Über die am Rochusfeld vorüberführende Höhenstraße gelangt man zügig nach Simmern und Rheinböllen; durch Tiefenbach und über die Waldsträßchen des Großen Soon sind sowohl die romantisch gelegenen Weiler zwischen Entenpfuhl und Münchwald als auch das nach Sobernheim und Bad Kreuznach orientierte Soonvorland gut zu erreichen, während es über Mengerschied zum idyllischen Gemünden und der weithin sichtbaren Koppensteinhöhe mit dem als Aussichtsturm hergerichteten Bergfried der alten Burg nur ein paar Fahrminuten sind. |
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Ergänzungen und Korrekturen Ortsliste Reiseführer für Mosel, Eifel und Rhein |