Bad Kreuznach

Text von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987





Emil Cauer d.Ä. (1800-67) wirkte seit 1832 als Zeichenlehrer am Kreuznacher Gymnasiums. Er modellierte Märchenfiguren, Gestalten aus der deutschen Geschichte und aus Shakespeares Dramen. Sein Sohn Carl Cauer (1828-85) schuf das Mannheimer Schillerdenkmal, das Prieger-Standbild für den Begründer der Kurbadtradition (an der Pauluskirche) und das Götz-Bildnismedaillon auf dem Winterburger Friedhof. Sein Bruder Robert Cauer d.Ä. (1831-93) hinterliess vor allem auf dem Friedhof seiner Heimatstadt zahlreiche Grabdenkmäler. Robert Cauer d.J. (1863-1947), Carl Cauers Sohn, schuf das bedeutende Michel-Mort-Denkmal auf dem Eiermarkt in der Bäderstadt, während sein Bruder Ludwig Cauer (1866-1947) die Brunnennymphe im Innenhof des Bäderhauses sowie das Soberheimer Felke_Standbild fertigte. Hugo Cauer (1864-1918), ebenfalls ein Sohn von Carl Cauer, wirkte als Bildhauer für zahlreiche Städte und hat auch eine Büste des Nahetaldichters Gustav Pfarrius entworfen. Sein Bruder Emil Cauer d.J. (1867-1946) hat viele Denkmäler in und um Berlin geschaffte; auch auf dem Bad Kreuznacher Friedhof finden sich etliche Arbeiten von seiner Hand. Hans Cauer (1870-1900), fünfter von Carl Cauers Söhnen, unternahm als Maler seine Reisen in Spanien und Ägypten. Stanislaus Cauer (1867-1943) war ein Sohn Robert Cauers d.Ä. und wirkte als Professor an der Kunstakademie Königsberg. Von ihm stammt das Maler-Müller-Relief, das in Bad Kreuznach an den Dichter und Maler erinnert, der seine künstlerische Erfüllung in Rom gefunden, dabei aber nie seine Heimatstadt vergessen hatte: Friedrich Müller, genannt Maler Müller (1749-1825), brachte es vom Sohn eines Kreuznacher Bierbrauers bis zum ›spiritus rector‹ der deutsch-römischen Malerkolonie am Anbruch der romantischen Epoche. Friedrich Cauer (1874-1945), Stanislaus' Bruder, war Schöpfer kunstvoller Grabmäler. Schließlich hat Hanna Cauer (geb. 1902), Tochter Ludwig Cauers, ihre Heimatstadt um eine Reihe ansehnlicher Skulpturen bereichert, von denen mehrere im Oranienpark stehen: Brunnenmädchen, Kauernde und die Schwebende Göttin sowie das Traubenmädchen im Kurpark sind ihre bekanntesten Werke.

Meisterliche Bildhauerwerke aus weit älterer Zeit kann man auf einem Abstecher von Bad Kreuznach über Bosenheim nach Pfaffen-Schwabenheim in Augenschein nehmen. Dort erhebt sich die ehemalige Klosterkirche mit ihrem herrlichen Chor (Übergangsstil, 1225-48) über der Grablege der Sponheimer Grafen aus der Kreuznacher Linie. Graf Johann (gest. 1340) und Graf Walram (gest. 1380) sind als Bildnisfiguren zu erblicken; letzterer gilt in der regionalen Sage als Urbild des ›Wilden Jägers‹, von dem vor allem in den Überlieferungen der Soonwaldgegend häufig die Rede geht.

Östlich von Pfaffen-Schwabenheim liegen die rheinhessischen Winzer-Bauerndörfe offen in der fast baumlosen Ebene, während zur anderen Seite über dem Nahelauf mit seinen Rebhängen der Anstieg zum Großen Soon und zum Binger Wald bereits die dichten Forsten erkennen lässt, die weiter droben den Landschaftsraum prägen. Auf dem zum Hunsrück gehörigen Westufer, teils über niedrigen Flussterrassen, erheben sich die Orte der Verbandsgemeinde Langenlosnheim. Winzenheim, als eingemeindeter Stadtteil noch zu Bad Kreuznach zählend, birgt in seiner katholischen Kirche (1819) einen Altar (um 1770) und einen alten Taufstein (um 1500). Vor de Ort weitet sich zur Nahe hin eine Ackerflur, an deren Rand ein modernes Denkmal daran gemahnt, dass hier auf dem seither so benannten ›Feld des Jammers‹ nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes Lager mit deutschen Kriegsgefangenen zur Leidensstätte geworden war. Unmittelbar daran vorbei führt die B 48 (›Naheweinstraße‹) und wenig weiter nach Bretzenheim hinein.




 
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